HÖRDE. Sie war in ihren besten Tagen ein Phänomen; eine Atombombe. Wie sie ihr Leben durch alle Höhen und Tiefen gemeistert hat, war schon beeindruckend. Bereits vergangenen Sonntag verstarb die Dortmunder Journalistin und Kommunistin Gabriele Dömges, Mutter des bekannten Künstlers und Journalisten Tork Poettschke, plötzlich und unerwartet, im Alter von 86 Jahren.
Gaby Doemges lebte bis zuletzt allein und zurückgezogen in ihrer 100 qm2-Wohnung am Hörder Phönix-See. Sie erhielt Betreuung durch einen Pflegedienst, sowie eine rechtliche Betreuung, welche sie durch die letzten Jahre begleitete. Kürzlich stürzte sie in ihrer Wohnung, welche sie kaum noch verließ und kam mit Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus. Vergangenen Montag sollte sie eigentlich entlassen werden, bekam aber just eine Lungenembolie, welcher sie Sonntag erlag. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen.
Gaby Dömges war ein Kriegskind. 1938 in Schmiedeberg, im ehemaligen Polen geboren, flüchtete sie mit ihren Eltern - keine strammen Nazis, aber der Vater war Lehrbeamter - nach Deutschland, aufs Land, zu Verwandten. Der Vater fand eine Stelle als Dorfschulrektor, später in Hagen.
Gaby Dömges ließ den Krieg hinter sich. Sie besuchte eine Klosterschule, machte ihr Fachabitur; studierte Englisch und Französisch; wurde Fremdsprachenkorrespondentin und später für lange 40 Jahre Redakteurin bei der WAZ. Sie verliebte sich; heiratete den sehr viel älteren Ehemann Josef Dömges. "Die Liebe meines Lebens", wie sie immer betonte. Aus der Ehe ging der einzige Sohn Christopher - heute Tork Poettschke - hervor.
Gaby Dömges kam zur Kommunistischen Partei, wie die Jungfrau zum Kinde. Vielleicht wollte sie gutmachen, was ihre Vorfahren während der Nazizeit versäumten: aktiver und konsequenter Widerstand gegen die Obrigkeit. Gaby Dömges hatte ein bewegtes und interessantes Leben. Sie schrieb für die Rote Fahne; sang im Ruhrchor. Sie war eine geborene Schmidt und liebte ihren Sohn über alles - manchmal vielleicht gar ein bisschen zu viel.
Tork Poettschke, der einzige Sohn von Gaby Doemges: "Wir sind in Trauer. Die letzten sieben Jahre bin icke gesichert untergebracht und habe seither meine Mutter nicht einmal gesehen. Icke falle weich in meiner Gesellschaft. Meine Mutter war nicht immer einfach. Indes hat sie ihr Leben gelebt. Möge Gott ihrer Seele gnädig sein." Hiernach kann nichts mehr kommen ... |