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AUFFORSTUNG ALS WESENTLICHER BESTANDTEIL DES (GLOBALEN) UMWELTSCHUTZES
19.05.2020 16:13:28
Die Europäische Kommission verstärkt ihr Engagement zum Schutz der Wälder weltweit und hat dafür eine umfassende Strategie beschlossen. Durch nachhaltigeren Konsum innerhalb der EU, gezielte internationale Zusammenarbeit, bessere Informationen und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln will sie die Gesundheit der bestehenden Wälder schützen und die Dichte der Flächen erhöhen, die von nachhaltigen Wäldern mit großer biologischer Vielfalt bewachsen sind.



FORSTEN



Wälder beherbergen 80 Prozent der Artenvielfalt an Landlebewesen. Sie bilden die Existenzgrundlage von rund einem Viertel der Weltbevölkerung und sind für die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung.

Frans Timmermans, der Erste Vizepräsident der Kommission erklärte: „Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen, ohne die Wälder der Welt zu schützen. Zwar befinden sich die größten Primärwälder der Welt nicht im Hoheitsgebiet der EU, jedoch wirken sich die Handlungen jedes Einzelnen von uns und unsere politischen Entscheidungen erheblich aus. Heute senden wir ein wichtiges Signal an unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Partner in der ganzen Welt, dass die EU bereit ist, in den nächsten fünf Jahren und darüber hinaus eine Führungsrolle in diesem Bereich einzunehmen.“





In ihrer heute angenommenen Mitteilung hat die Europäische Kommission fünf Prioritäten festgelegt:

Verringerungen des Flächen-Fußabdrucks der EU und Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten in der EU;
partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern zur Verringerung des Drucks auf die Wälder und zur Sicherung der Entwicklungszusammenarbeit der EU gegen Entwaldung;
Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um Entwaldung und Waldschädigung zu stoppen und die Wiederherstellung der Wälder zu fördern;
Neuausrichtung der Finanzierung zur Unterstützung nachhaltigerer Landnutzungspraktiken;
Förderung der Verfügbarkeit und Qualität von Informationen über Wälder und Rohstofflieferketten, Sicherung des Zugangs zu diesen Informationen sowie Unterstützung von Forschung und Innovation.

Vizepräsident Jyrki Katainen sagte: „Wenn wir bestehende Wälder schützen und die Bewaldungsdichte erhöhen, dann schützen wir damit auch die Existenzgrundlage lokaler Gemeinschaften und steigern ihre Einnahmen. Die Wälder stehen auch für eine vielversprechende grüne Wirtschaft mit dem Potenzial, zwischen 10 und 16 Millionen menschenwürdiger Arbeitsplätze weltweit zu schaffen.“

Umweltkommissar Karmenu Vella fügte hinzu: „Trotz der bereits unternommenen Anstrengungen sind die Wälder nach wie vor geschwächt. Daher muss Europa stärker und wirksamer handeln, um die Wälder zu schützen und wiederherzustellen. Die Entwaldung hat verheerende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, das Klima und die Wirtschaft.“

Neven Mimica, EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung, erklärte: „Wir stehen bereit, um mit den Partnerländern beim Schutz und der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder weltweit zusammenzuarbeiten. Dabei geht es um Ernährungssicherheit, Wasserversorgung, Klimawandel, Resilienz und Frieden. Ziel ist, eine nachhaltigere und integrativere Welt zu schaffen.“

Zwischen 1990 und 2016 ging eine Fläche von 1,3 Millionen km2 Wald verloren. Das entspricht rund 800 Fußballfeldern pro Stunde. Die Haupttriebfeder dieser Entwaldung ist die Nachfrage nach Lebens‑ und Futtermitteln, Biokraftstoffen, Holz und anderen Rohstoffen.

Die mit der Entwaldung einhergehenden Treibhausgasemissionen sind die zweitwichtigste Ursache des Klimawandels. Der Schutz der Wälder hat daher auch maßgeblich mit unserer Verantwortung zu tun, den Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens von Paris nachzukommen. Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht bilden die Wälder die Existenzgrundlage von rund 25 Prozent der Weltbevölkerung; sie verkörpern ferner unersetzliche kulturelle, gesellschaftliche und spirituelle Werte.



PRIORITÄTEN



Die Maßnahmen zur Verringerung des Konsums in der EU und zur Förderung der Verwendung von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten werden im Rahmen der Einrichtung einer neuen Multi-Stakeholder-Plattform für Entwaldung, Waldschädigung und Walderneuerung untersucht, die ein breites Spektrum relevanter Interessenträger zusammenbringt. Die Kommission wird auch strengere Zertifizierungsregelungen für entwaldungsfreie Erzeugnisse fördern und mögliche gesetzgeberische Maßnahmen auf der Nachfrageseite und andere Anreize bewerten.



Die Kommission wird eng mit den Partnerländern zusammenarbeiten‚ um sie dabei zu unterstützen, den Druck auf ihre Wälder zu verringern, und sie wird dafür sorgen, dass die EU-Politik nicht zur Entwaldung und Waldschädigung beiträgt. Sie wird die Partner dabei unterstützen, umfassende nationale Schutzrahmen für Wälder zu entwickeln und zu verwirklichen sowie die nachhaltige Nutzung der Wälder und die Nachhaltigkeit der forstbasierten Wertschöpfungsketten zu verbessern. Darüber hinaus wird die Kommission in internationalen Foren – wie der FAO, den Vereinten Nationen, der G7 und der G20, der WTO und der OECD – darauf hinwirken‚ die Zusammenarbeit bei Maßnahmen und Strategien in diesem Bereich zu stärken. Die Kommission wird weiterhin dafür sorgen, dass die von der EU ausgehandelten Handelsabkommen zum verantwortungsvollen und nachhaltigen Management globaler Lieferketten beitragen und den Handel mit land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht zu Entwaldung oder Waldschädigung führen, fördern. Die Kommission wird auch Anreizmechanismen für Kleinbauern entwickeln, um Ökosystemdienstleistungen zu erhalten und zu verbessern sowie eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft zu fördern.




Um die Verfügbarkeit und Qualität von und den Zugang zu Informationen über Wälder und Lieferketten zu verbessern, schlägt die Kommission die Einrichtung einer EU-Beobachtungsstelle für Entwaldung und Waldschädigung vor, die Veränderungen der weltweiten Bewaldung und der damit verbundenen Faktoren überwachen und messen soll. Diese Ressource wird öffentlichen Einrichtungen, Verbrauchern und Unternehmen einen besseren Zugang zu Informationen über die Lieferketten verschaffen und sie dazu ermutigen, stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Die Kommission wird auch prüfen, ob das Copernicus-Satellitensystem verstärkt zur Überwachung der Wälder genutzt werden kann.



Die Kommission wird die Neuausrichtung öffentlicher und privater Finanzmittel in den Mittelpunkt stellen, um Anreize für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und nachhaltige forstbasierte Wertschöpfungsketten sowie für die Erhaltung bestehender und die nachhaltige Sanierung zusätzlicher Waldflächen zu schaffen. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wird die Kommission Mechanismen prüfen, mit denen potenziell grüne Finanzmittel für Wälder mobilisiert sowie zusätzliche und umfangreichere Finanzmittel aufgebracht werden können.



HINTERGRUND



Seit 2003 setzt die EU den Aktionsplan für Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor (FLEGT) um und bekämpft damit den illegalen Holzeinschlag und den damit verbundenen Handel. In einer Mitteilung zur Entwaldung aus dem Jahr 2008 legte die Kommission die ersten Elemente eines politischen EU-Rahmens fest, der unter anderem das Ziel umfasste, den weltweiten Verlust von Waldflächen spätestens bis 2030 zu stoppen und die Bruttoentwaldung in den Tropen bis 2020 um 50 Prozent zu senken. Es ist unwahrscheinlich, dass die EU die Ziele erreichen wird. Daher sind größere Anstrengungen unerlässlich.



Die heutige Mitteilung ist das Ergebnis ausgiebiger Konsultationen der Interessenträger zu Entwaldung und Waldschädigung und zu möglichen Maßnahmen der EU, darunter zwei Konferenzen in den Jahren 2014 und 2017, eine öffentliche Konsultation im Jahr 2019 und drei Studien. Mit der Mitteilung wird auch auf wiederholte Forderungen des Rates und des Europäischen Parlaments nach einem stärker koordinierten Vorgehen, insbesondere bei der entwaldungsfreien Gestaltung der Agrarrohstoffproduktionsketten, eingegangen.



Emissionen aus Landnutzung und Landnutzungsänderungen, die vor allem auf die Entwaldung zurückzuführen sind, sind die zweitwichtigste Ursache des Klimawandels (nach fossilen Brennstoffen), auf die fast 12 Prozent aller Treibhausgasemissionen entfallen und die somit noch vor dem Verkehrssektor liegt. Die Wälder unserer Erde speichern große Mengen CO2, die aus der Atmosphäre gezogen und in Biomasse und Böden aufgenommen werden. Die Eindämmung der Entwaldung und Waldschädigung ist daher für die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung.



Die nachhaltige Wiederherstellung geschädigter Wälder und die Pflanzung neuer Wälder können wirksame ergänzende Maßnahmen sein, um die Entwaldung zu stoppen. Wenn sie unter uneingeschränkter Achtung der Grundsätze der Nachhaltigkeit ordnungsgemäß geplant und eingerichtet werden, können solche Aufforstungsflächen zahlreiche Vorteile bieten.



FREUDE



"Wir freuen uns, dass das Bundesumweltministerium unsere fachliche Expertise und im Grunde unser Vorgehen teilt. Monokulturen im Wald gehören der Vergangenheit an. Nach dem Krieg waren schnell wachsende Hölzer gefragt. Aber schon seit langer Zeit ist die Forstwirtschaft mit einer nachhaltigen und aktiven Waldbewirtschaftung dabei, den Wald umzubauen. Unser Bundeswaldministerium arbeitet mit einer eigenen Abteilung seit Jahren an der nachhaltigen Weiterentwicklung unserer Wälder. Ein langfristiger, aber erfolgreicher Prozess. Bereits die Bundeswaldinventur von 2012 belegt, dass unsere Wälder insgesamt vorratsreicher, älter, naturnäher und gemischter geworden sind. Die nächste Waldinventur hat Bundesministerin Klöckner bereits in Auftrag gegeben. Die aktuellen massiven Waldschäden zeigen uns, dass wir keine Zeit verlieren dürfen mit der Aufforstung begleitet durch Forschung und Fachleute. Denn standortangepasste, klimaresiliente Mischwälder sind unser aller Ziel. Dabei wird es auch darum gehen, welche heimischen und welche nicht-heimischen Baumarten sich als robust gegen klimatische Extreme erweisen.





Diejenigen, die davon sprechen, die Politik hätte vor, "monokulturelle Nadelholzplantagen" anzulegen, sind entweder nicht auf der Höhe des Informationsstandes oder im Kampagnenmodus."



HINTERGRUND



Für Donnerstag, 29. August, hat Bundeswaldministerin Julia Klöckner u.a. Vertreter der Waldbesitzer, der Forstwirtschaft, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Waldjugend, der Holzverarbeitungsbranche, des Städte- und Gemeindebundes, der Jagdverbände, der Naturschutzverbände sowie anderer Ministerien zu einem Verbändegespräch "Wald im Klimawandel" eingeladen.



Am Mittwoch, 25. September, findet auf Einladung von Julia Klöckner dann Der Waldgipfel statt. Es wird ein "Ergebnis- und Tatengipfel" sein, bei dem konkrete Maßnahmen besprochen werden sollen, die in den Ländern umgesetzt werden. Auch geht es darum, wie das Geld schnell und zuverlässig vor Ort ankommt.

mehr dazu...

veröffentlicht von Chris Doemges


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