Büdingen/Schweiz — Im September 1936 hatten Jehovas Zeugen in Luzern einen Kongress abgehalten. In der Kundgebung, die später als die „Luzerner Resolution“ bekannt werden sollte, prangerten sie die Gräueltaten der Nationalsozialisten öffentlich an. Hitlers Schergen in Deutschland verhafteten daraufhin Tausende von Zeugen Jehovas — überzeugt, die Religionsgemeinschaft damit ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen. Doch nur wenige Monate später sollten sie eine Überraschung erleben: heute vor genau 75 Jahren.
Am 12. Dezember 1936 beteiligten sich 3 500 Zeugen Jehovas in Deutschland an einer Pro-testaktion — ein damals lebensgefährliches Wagnis. Unter ihnen waren auch Ernst Schwalm aus Büdingen sowie Karl Finkernagel aus Altenstadt. Zwischen 17 und 19 Uhr verteilten sie blitzartig im ganzen Deutschen Reich Zehntausende von Flugblättern, die den vollen Wortlaut der „Luzerner Resolution“ enthielten. Auf diese Weise wurde die deutsche Öffentlichkeit auf die Verbrechen der Nationalsozialisten aufmerksam.
Schon eine Stunde nach Beginn der Aktion begannen Polizei, SA und SS die Jagd auf die Beteiligten. An diesem Abend gingen ihnen in ganz Deutschland nur rund ein Dutzend Zeugen Jehovas ins Netz. Doch sie ließen den Schlag ins Gesicht nicht unbeantwortet und Jehovas Zeugen bezahlten teuer für ihren Mut: Rund 8 800 Zeugen Jehovas kamen in Haft, 2 800 von ihnen ins KZ. 950 haben ihr Leben verloren, darunter 370 Hingerichtete. Jehovas Zeugen erinnern heute an den Mut ihrer Glaubensbrüder vor 75 Jahren.
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