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Ein „Heil Hitler!“ kam nicht über ihre Lippen
21.01.2021 07:49:31
Jehovas Zeugen gedenken der Opfer des Nationalsozialismus aus ihren Reihen

Mehr als 40 Jahre gehörten sie zu den „vergessenen Opfern“ des Nationalsozialismus. Entweder wurden sie einfach von Historikern vergessen oder man vergaß sie mit Absicht, damit sie keinen Eingang in die Geschichtswissenschaft finden sollten. Das war umso erstaunlicher, waren sie doch vielfach die ersten Häftlinge in den Konzentrationslagern überhaupt. Zeitweise bildeten sie auch die zahlenmäßig stärkste Häftlingsgruppe. Um wen geht es hierbei? Um Jehovas Zeugen, damals auch noch unter der Bezeichnung „Ernste Bibelforscher“ bekannt. Das Vergessen sollte sich aber spätestens am 6. November 1996 ändern. An diesem Tag fand die Weltpremiere der Videodokumentation „Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück statt. Der Ministerpräsident von Brandenburg schrieb aus diesem Anlaß: „Ihre Filmveranstalt-ung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Öffentlichkeit über die Rolle ihrer Religionsgemeinschaft unter dem NS-Regime zu informieren“.

Hans-Joachim Schalies, Geschichtsforscher aus Büdingen, beschäftigt sich schon lange mit der Verfolgungsgeschichte seiner Glaubensangehörigen in der Wetterau und im Main-Kinzig-Kreis. Viele Artikel auch in Fachzeitschriften bezeugen dies. Schalies weist darauf hin, daß es zu Beginn der Hitlerära im Jahr 1933 im Deutschen Reich 25.000 bis 30.000 Zeugen Jehovas gab. Das war den Machthabern ein Dorn im Auge. Warum? Jehovas Zeugen weigerten sich den Deutschen Gruß zu gebrauchen, denn „Heil Hitler!“ zu sagen hätte bedeutet Rettung kommt von Hitler. Das stand aber im Widerspruch zu ihrem Bibelverständnis, zum Beispiel zu der Aussage im Bibelbuch Apostelge-schichte, Kapitel 4, Vers 12, wo es heißt: „Außerdem kommt durch keinen anderen Rettung, denn es gibt keinen anderen Namen unter dem Himmel, der den Menschen gegeben worden ist, durch den wir gerettet werden sollen.“ Auch weigerten sie sich in irgendeiner Form am Kriegs-geschehen teilzunehmen. Deshalb verweigerten sie den Kriegsdienst, traten nicht in die Partei ein und nahmen auch nicht an den Wahlen teil.
Die Folge war, daß ca. 12.000 von ihnen in Konzentrationslager und Gefängnisse eingeliefert wurden, nachdem ihre Religionsgemeinschaft als erste verboten worden war. 270 von ihnen wurden zum Tode verurteilt und meist durch das Fallbeil hingerichtet oder manche wurden auch erschossen. In den Konzentrationslagern erhielten sie ein eigenes Erkennungsmerkmal, den lila Winkel. Auch wurde ihnen eine Erklärung vorgelegt, daß sie das KZ sofort verlassen könnten, wenn sie diese unterschreiben würden. Von dieser Möglichkeit machten nur sehr wenige Gebrauch, denn das hätte zur Folge gehabt ihren Glauben zu verleugnen und ihre Glaubensbrüder bei den Behörden anzuzeigen.
Auch in der Wetterau gab es Opfer der Religionsgemeinschaft.
Karl Finkernagel aus Altenstadt war Tapezierer von Beruf und wurde am 15. Dezember 1936 verhaftet und in Schutzhaft genommen.Was machte einen Tapezierer so gefährlich? Im Bericht über seine Vernehmung wurde festgestellt: „Finkernagel ist ein fanatischer Zeuge Jehovas, der in die Ideen der Bibelforscher sehr tief eingedrungen ist“.
Als am 30. Januar 1937 die Hauptverhandlung des Sondergerichts stattfand lautete das Urteil ein Monat Gefängnis, was allerdings durch die sechsmonatige Untersuchungshaft abgegolten war. Doch nach Hause kam er trotzdem nicht, stattdessen aber am 7. April 1937 ins KZ Buchenwald. Dort verstarb er am 24. August 1937 gegen 9.30 Uhr angeblich an „Blut- und Kreislaufschwäche“.

Josef Hoffmann lebte mit seiner Frau Wilhelmine in Wolferborn. Er wurde am 12. April 1937 wegen Vergehens gegen das Verbot der Bibelforscher vom Sondergericht Darmstadt zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend wurde er auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen und in das Polizeigefängnis Zweibrücken überstellt.

Wilhelmine Hoffmann wurde am 23. Oktober 1935 vom Sondergericht Frankfurt zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen im Januar 1935 an einer „Propagandafahrt“ der Zeugen Jehovas teilgenommen und die Schrift „Der Wachtturm“ verteilt zu haben. Nach ihrer Entlassung setzte sie sich unverzüglich wieder für ihre inzwischen verbotene Religionsgemeinschaft ein. Sie wurde deshalb am 11. März 1937 festgenommen und am 12. April 1937 zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt, die sie bis zum 12. November 1937 im Frauengefängnis Mainz verbüßte. Von dort wurde sie am 22. November 1937 zunächst in das KZ Moringen, später in die KZ Lichtenburg, Ravensbrück und schließlich nach Dachau-Hausham überführt. Am 29. April 1945 wurde sie von amerikanischen Truppen befreit.

Renate Leischnig wohnte viele Jahre in Gedern. Sie mußte als Kind miterleben, daß ihr Vater 1934 das erste Mal verhaftet wurde. 1936 wird er erneut für 15 Monate wegen Kriegsdienstverweigerung eingesperrt. Danach wird er in das KZ Buchenwald überführt. Sechs Jahre später wird er durch die Amerikaner befreit.
Ihre Mutter Marthel Leischnig wurde ebenfalls verhaftet und 30 Monate ins Gefängnis eingeliefert. Ohne Prozeß wird sie ins Frauen-KZ Ravensbrück eingeliefert. Dort erhält sie wie alle anderen Häftlinge auch, als Willkommensgruß 25 Schläge aufs Gesäß, während die SS dabeistand und Marschmusik spielte, wohl um die Schreie nicht hören zu müssen. Renate ist 11 Jahre alt als ihre Eltern aus dem KZ entlassen wurden.

Ernst Schwalm war Heilpraktiker und hatte nach seiner Leidenszeit eine Praxis als Heilpraktiker in Büdingen, Am Schloßplatz 4. Er setzte sich auch nach dem Verbot der Bibelforschervereinigung für seinen Glauben ein. Das führte dazu, daß er am 6. Januar 1937 verhaftet wurde, weil er wohl an einer Protestaktion teilgenommen hat. Am 12. Dezember 1936 wurde die sogenannte „Luzerner Kongressresolution“ reichsweit verteilt. Diese machte auf die Verfolgung der Zeugen Jehovas im Deutschen Reich aufmerksam.
Nach Verbüßung seiner Strafe wurde Ernst Schwalm vom Sondergericht Kassel wegen „illegaler Betätigung für die Internationale Bibelforscher-Vereinigung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Strafe verbüßte er bis zum 10. Februar 1938 in der Strafanstalt in Frankfurt-Preungesheim. Damit war sein Leidensweg aber keineswegs zu Ende. Nach seiner Haft kam er ins KZ Buchenwald, später nach Majdanek, Melk und Mauthausen und von da aus ins Außenlager Ebensee. Nach acht Jahren Haft erlangte er die Freiheit am 5. Mai 1945.

Die Geschichte der Zeugen Jehovas ist also auch eine Verfolgungsgeschichte. Wie schrieb Pastor Martin Niemöller, der ja einige Jahre im Büdinger Schloß gewohnt hat: „Und zumal wir Christen von heute stehen beschämt da vor einer sogenannten Sekte wie der der ernsten Bibelforscher, die zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager und in den Tod gegangen sind, weil sie den Kriegsdienst ablehnten, und sich weigerten, auf Menschen zu schießen“.
Der Landtag in Baden-Württemberg hat den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 den Opfern der Zeugen Jehovas gewidmet. Auch das zeigt, daß sie heute nicht mehr zu den „vergessenen Opfern“ gehören.




veröffentlicht von Schalies Hans-Joachim


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